Trau keinem Playboy by Nora Roberts

Trau keinem Playboy by Nora Roberts

Autor:Nora Roberts [Roberts, Nora]
Die sprache: deu
Format: epub
Tags: Contemporary
ISBN: 9783641120900
Google: JJfdAgAAQBAJ
Barnesnoble:
Herausgeber: Heyne Verlag
veröffentlicht: 2014-03-30T22:00:00+00:00


6. KAPITEL

Phil saß neben dem Kameramann auf dem Tulpenkran. »Hiev hoch!« Auf diesen Befehl hin ließ der Maschinist den Kran siebzehn Fuß hoch über die Stadt Friendly fahren. Gerade brach die Morgendämmerung an. Phil hatte Vorkehrungen getroffen, dass alle Passanten von den Straßen fernzubleiben hatten, obgleich sich schon eine große Menge Zuschauer hinter dem Kran und den Beleuchtungskörpern aufhielt. Falls es unerwartet jemandem einfallen sollte, zu so ungewohnter Stunde nach Friendly zu fahren, wären ihm alle Zufahrtsstraßen blockiert. Phil wollte den Eindruck von Öde und Verlassenheit in der müden Dämmerung eines herannahenden Tages erzeugen.

Einen Blick in die Tiefe werfend, sah er, wie Bicks, der Chefkameramann, die Schärfen der Beleuchtung überprüfte. Rohlinge, die großen Bogenscheinwerfer, waren eingeschaltet, um das Tageslicht ausgewogen zu gestalten. Er wusste auf den Punkt genau, wo der Regisseur die Schatten eingelassen haben wollte. Für diese Filmszene agierte Phil persönlich als Kameraassistent, damit er die richtigen Einstellungen ausprobieren konnte.

Gleich darauf wandte Phil seine Aufmerksamkeit wieder der Straßenansicht zu. Er wusste genau, was er wollte, und er wollte es bei Sonnenaufgang einfangen, mit so viel natürlichem Licht wie nur irgend möglich. Er sah durch die Linsen und stellte eigenhändig die Bildweiten ein. Der Kran war auf Schienen montiert und erlaubte große Beweglichkeit des Aufnahmegeräts.

Phil wünschte zunächst eine Weitaufnahme bis zum Horizont mit der aufgehenden Sonne, dann einen Rückschwenk, um die Hauptstraße von Friendly in ihrer ganzen Länge aufzunehmen. Es war kein auf schön zurechtgemachtes Panorama, sondern die raue Wirklichkeit. Er wollte den Staub vor der Schaufensterfront einfangen.

Zufrieden mit dem, was er durch die Kameralinse gesehen hatte, markierte Phil die Einstellung mit einem Bandstreifen, dann nickte er seinem Regieassistenten zu.

»Ruhe auf der Szene.«

»New Chance, Szene drei, erste Einstellung.«

»Kamera ab!«, befahl Phil, dann wartete er.

Mit zusammengekniffenen Augen konnte er sich ein Bild von dem machen, was sein Kameramann durch die Linsen sah. Das Licht war gut. Perfekt. Mit drei Einstellungen oder weniger mussten sie es schaffen, sonst hatten sie es mit Gelbschicht und Filtern aufzupeppen. Das war aber nicht das, was er im Sinn hatte.

Jetzt rollte der Kran langsam rückwärts zur Startmarke. Das Herzstück der Stadt musste in einem langen Schwenk aufgenommen werden. Ja, das war gut. Jetzt sah man die abgebröckelte Farbe, das durchgesackte Holz der Gehsteige, die eingerissenen Jalousien. Später mussten sie diese Einstellung in die Szene des Hauptdarstellers hineinschneiden. Er kehrt nach zwanzig Jahren heim, rief Phil sich das Drehbuch in Erinnerung. Er hat keine Bleibe, kennt keinen Ort, zu dem er sonst noch gehen könnte. Und er findet alles genauso vor, wie er es damals verlassen hat.

»Schnitt. Die gleiche Einstellung noch einmal. Dieselbe Geschwindigkeit.«

Im Hintergrund der Menge stand Vicky und folgte interessiert dem Geschehen. Es machte ihr nichts aus, bei Morgengrauen auf den Beinen zu sein. Sowohl ihr Pflichtgefühl als auch ihre Neugier hatten sie hergezogen. Phil filmte heute das erste Mal in der Stadt. In der letzten Woche hatten sie Landschaftsaufnahmen gedreht.

Vicky war in Friendly geblieben. Gelegentlich hatte sie Max losgeschickt, um draußen nach dem Rechten zu sehen. Er war jedes Mal begeistert zurückgekommen und hatte von seinen Eindrücken geschwärmt.



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